• Ciprian Muresan / 3D Rubliov


    20. Januar 2008 bis 24. Januar 2008

    Eröffnung: Samstag, 19. Januar 2008 / 17 bis 20 Uhr

    NKVextra

    kuratiert von Katharina Klara Jung und Caroline Erkenswick

  • In seinen Arbeiten sucht Ciprian Muresan (*1977 Cluj, Rumänien) nach einer Sprache, die seiner Zeit und seiner Umwelt gerecht philosophische Fragen behandeln kann, ohne dabei in Pathos oder Belanglosigkeit zu ersticken. Immer wieder greift er dabei auf Klassiker wie Tarkowskijs Rubliow zurück und kombiniert Ausschnitte ihres Inhalts mit in unserer Sehgewohnheit aktuellen Formen – wie 3D Computeranimation.

    Der Kurzfilm 3D Rubliov zeigt in 3D Animation zwei Szenen aus dem Film „Andrej Rubliow“ des russischen Regisseurs Andrej Tarkowskij (Solaris), der das Leben des russischen Ikonenmalers Andrej Rubliov (1360-1430) vor dem Hintergrund politischer Machtintrigen und Grausamkeiten schildert. Tarkowskijs Film, der 1966 gedreht aber erst vier Jahre später und in einer abgeänderten Version in den russischen Kinos erlaubt wurde, ist ein leidenschaftliches Werk über menschliches Leid und Geduld, über vitale Schaffenslust und die versöhnende Kraft des Künstlerischen.

    Andrej R. ist gewissermaßen ein "Renaissance"-Künstler, der auf Abstand geht zur theologisch gegründeten stilisierten "byzantischen" Malerei seiner Vorgänger, der sich dem einfachen Bauern- und Straßenvolk zuwendet. Nach dem traumatischen, apokalyptischen Erleben einer Gewaltorgie gegen Menschen und Tiere in der fürstlichen Kirche, die er mit Fresken ausgestaltet, verweigert sich der Maler jahrelang in Schweigen und Malverzicht, bis ihn der kreative Elan eines jungen Glockengießers in Bann zieht... Diese Szene des Glockengusses und viele andere, wie die Anfangssequenz mit den jubelnd im Ballon aufsteigenden Bauern, zeigen Tarkowskij auf der Höhe seiner poetischen und imaginativen Kraft.

    Diese Kraft nutzt Ciprian Muresan, wenn er zwei Szenen aus dem Film detailgetreu in 3D Computeranimation übersetzt: Die Anfangsszene des Films, in der ein bäuerlich gekleideter Luftschifffahrer sich mit dem Ruf „Ich kann ja fliegen!“ auf einem am zusammengeflickten Ballon hängenden Seil über die Pfützen und Pflanzen seines Dorfes erhebt, endet im Scheitern: Der Ballon stürzt samt seinem Insassen ab. Ein Pferd wälzt sich im Staub und langsam zieht eine Prozession mit der Kreuztragung vorbei, die sich in die Kreuzigung selbst verwandelt.

    Die Parallelen, die Muresan zwischen diesen beiden Szenen anbietet, sind offene Fragen – ist Passion, die in Tarkowskijs Film Rubliovs Gedanken spiegelt, hier als gescheitert zu sehen wie die Ballonfahrt? Oder ist der Luftschifffahrer gar nicht gescheitert?

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