• Dem Engel auf der Spur


    01. Dezember 2002 bis 12. Januar 2003

    Übergangsphänomene in Fotographie und Film

    Thomas Abel / Ute Behrend / Astrid Bubel / Silke Bues / Jana Duda / Klaus Gigga / Tobias Hübel / Ingar Krauss / Thomas Lange / Sandra Linsin / Florian Merkel / Maarit Mittwoch / Tomek Mzyk / Jörg Obernolte / Philipp Ottendörfer / Michael Schneider / Sarah Thiele / Sarah Ubrig /

    kuratiert von Josefine Raab

  • Sind Engel eine bedrohte Art? Laut entsprechenden Umfragen, die das Wochenmagazin ‚Der Spiegel‘ in seiner letztjährigen Dezemberausgabe zitierte, glaubt jeder zweite Deutsche an seinen Engel, „der als eine Art persönliche Leibwache fungiert“, und jeder Zehnte ist gar überzeugt, schon einmal einem Engel begegnet zu sein. Wie kommt es, dass Engel in unserer aufgeklärten, durch Fakten und Zahlen erklärbaren Welt, immer noch über so viel Anziehungskraft gebieten? Erfüllen sie gerade hier stille Sehnsüchte nach einer Verzauberung der Welt inmitten eines rauher werdenden Lebensumfeldes wie Jürgen Habermas es in seiner Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels letztes Jahr formulierte? Fest steht, dass Engel durch Popsongs und Esoterikläden, durch Bücher und Museen fliegen, in zartem Gefieder über Laufstege defilieren und durch Dutzende von Filmen geistern. Das Phänomen Engel oszilliert zwischen An- und Abwesenheit, zwischen geistigem Wesen und physischer Gestalt, zwischen Gut und Böse, zwischen himmlischer Macht und irdischen Taten.

    Ute Behrend begibt sich spontan, humorvoll und mit viel Sinn für Stimmungen auf Engelsuche, während Ingar Krauss in seinen Kinderportraits ein verwirrendes Sinnspiel zwischen jugendlicher Unschuld und Verwegenheit inszeniert. Thomas Abel beleuchtet in einer Materialsammlung das Phänomen Engel in der Alltagskultur: Abstrakte, inszenierte, falsche, echte Engel in Schaufenstern, auf Plakaten, in Gebäuden, in Namen, Plätzen und Funktionen. Jana Duda hingegen macht sich in ihrer Videoarbeit auf eine ganz persönliche Suche nach dem Nicht-Greifbaren.

    Auch Thomas Lange, der die Besucher in seiner Rauminstallation durch einen Wald von flüsternden Engeln schickt, möchte den Betrachter im stillen Zentrum seiner Arbeit mit seinem ganz persönlichen Engel in Verbindung bringen. Astrid Bubel versieht ihre modernen Protagonisten mit den sichtbaren Attributen der drei Erzengel während Philipp Ottendörfer, Silke Bues und Thomas Hübel sich eher auf die ätherischen Eigenschaften von Engeln konzentrieren. Sandra Linsin setzt Textauszügen aus Rilkes Duineser Elegien eine Reihe von Schnappschüssen aus heimischen Wohnzimmern entgegen; Maarit Mittwoch und Sarah Ubrig beschäftigen sich mit Lichtphänomenen als Metapher für himmliche Spuren, Sarah Thiele begibt sich in abstrakten Körperfotografien auf Engelsuche und Florian Merkel wird in seiner eigens für den NKV angefertigten Arbeit eine lebensgroße Figurengruppe über Decke und Wände schweben lassen.

    Als Begleitprogamm bietet die Caligari FilmBühne eine Reihe „Engel im Film“ mit insgesamt 5 Filmen an. Als Auftakt wird am 3. Dezember ‚Der Himmel über Berlin‘ von Wim Wenders zu sehen sein. Am 14. Dezember hält der Engelforscher Dr. Hein-rich Krauss aus München einen Vortrag zum Thema Engel.

    Während der Ausstellung gibt es im NKV eine Auswahl der Kindersterne Imi Knöbels, deren Spendenerlös der 1989 ins Leben gerufene Verein Kinderstern ausschließlich für Kinderhilfsprojekte u.a. in Kiew und Bolivien verwendet.

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