• Jace Clayton, Installationsansicht Sharjah Biennale, 2019, Detailansicht, Courtesy und ©: Der Künstler

    Jace Clayton, Installationsansicht Sharjah Biennale, 2019, Detailansicht, Courtesy und ©: Der Künstler

    Jace Clayton, White Noise Night Sweats, 2019, Modulare Synthesizer, Vitrine, Stoff, Video (4 Min.), Courtesy und ©: Der Künstler, Installationsansicht Nassauischer Kunstverein Wiesbaden, 2019, Foto: Janine Drewes

    Jace Clayton, White Noise Night Sweats, 2019, Modulare Synthesizer, Vitrine, Stoff, Video (4 Min.), Courtesy und ©: Der Künstler, Installationsansicht Nassauischer Kunstverein Wiesbaden, 2019, Foto: Janine Drewes

    Follow Fluxus 2019

    Jace Clayton /

    White Noise as a Call to Responsibility


    23. August 2019 bis 24. Mai 2020

    Eröffnung / Donnerstag, 22. August 2019, ab 18 Uhr

     

    Die Ausstellung wird gefördert durch: 

     

            

  • Jace Clayton, zwölfter Stipendiat des von der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Nassauischen Kunstverein vergebenen Stipendiums Follow Fluxus –
    Fluxus und die Folgen
    , untersucht in seiner ersten europäischen Einzelausstellung aktuelle Auswirkungen von weißem Rauschen.

    In zwei Ausstellungsräumen widmet Jace Clayton drei Installationen mit Sound, Textilien, Zeichnungen, Video und Momenten des fokussierten Zuhörens dem weißen Rauschen. Mit dem akustischen Phänomen untersucht er die Idee von kollektiver Verantwortung und aktuellen Vorstellungen von Individualität sowie die Beziehung zwischen algorithmischer Kontrolle und unvorhersehbarer Zukunft.

    Street Seeper
    ist ein Klangwerk, das vorhandene Außengeräusche mittels Textilien, Text und einem architektonischen Eingriff in den Ausstellungsraum erfahrbar macht. Diese für den urbanen Raum prägende, von Autos, Flugzeugen oder auch Klimaanlagen produzierte Geräuschkulisse wird so zur akustischen Manifestation der die Umwelt schädigender Motoren. Anstatt die omnipräsenten Hintergrundgeräusche zu ignorieren, werden sie als ständiges Alarmsignal für die globale und sich gesamtgesellschaftlich auswirkende Klimakrise verstanden und als solches in den Vordergrund gestellt.

    Privacy Choir ist eine für fünf Soundmaschinen entwickelte Klangskulptur. Die Geräusche produzierenden Geräte wurden in den 1970er-Jahren in amerikanischen Psychotherapeutenpraxen eingeführt, um mit weißem Rauschen die Privatsphäre der Patient*innen zu schützen. Metaphorisch stehen die Maschinen für das neoliberale Selbst, das sich durch das Streben nach Individualität charakterisiert. Privacy Choir untersucht einerseits das Verhältnis von weißem Rauschen zur Aufrechterhaltung der Singularität jedes Individuums und bietet andererseits eine kollektive Klangerfahrung.

    Im Zentrum von White Noise Night Sweats steht ein sich selbst komponierendes Stück für modulare Synthesizer, die wie die legendären Drum Machine Roland TR-808 (1981-1983) Snare- und High-Hat-Sounds ausschließlich aus analogem  weißem Rauschen verwenden. Komplettiert wird es von einem Video sowie zahlreichen kleinen, simplifizierenden Zeichnungen als Hommage an die 12.000 fehlerhaften Transistoren des TR-808. (Da der für das Geräusch essenzielle Herstellungsfehler nicht nachgestellt werden konnte, konnte nur diese geringe Stückzahl der Roland TR-808 produziert werden.) Mit dem Aufkommen von Drummachines folgten auch die Tanzbewegungen dem Raster des Maschinentempos. Erst die Unterbrechungen durch Snares oder Hi-Hats eröffnen musikalische Freiräume, verändern das Zeitgefühl und ermöglichen mit dem eigenen Körper die Musik zu erfahren und sie zu erleben.  

    Weißes Rauschen ist eine zufällige Kombination aller Frequenzen im hörbaren Spektrum. Zufall ist ein analoges Phänomen, das digital nicht erzeugt werden kann. In einer Zeit zunehmender algorithmischer Kontrolle bestärken diese akustischen Momente der Zufälligkeit die Möglichkeit auf Veränderung, denn sie erinnern an die entscheidende Bedeutung, die das aktive menschliche Handeln hat.

    In der heutigen, visuell geprägten Welt, in der Informationsvermittlung, Erkenntnis und auch bildende Kunst vor allem auf optisch Wahrnehmbaren basiert, spricht sich Jace Clayton für eine stärkere Betonung von Klang für die Menschheit aus:

    „Institutionelles Lernen basiert meistens auf dem, was ich als „visuelle Erkenntnistheorien“ bezeichne - dem Glauben an kritische Distanz und klare Subjekt-/Objektunterscheidungen, die die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Themen vorgeben. Der Klang hingegen schlägt Wissensmodi vor, die auf Nähe, Resonanz und Modulation basieren und bei denen der zuhörende Körper impliziert und lokalisiert wird. Auf diese Weise bietet es eine eindeutige Erkenntnistheorie, auf derer Basis sich Erkenntnis erzeugen und kommunizieren lässt. Mein Ansatz zur Klangkunst steht im Gegensatz zu verschiedenen europäischen Traditionen, die den Klang außerhalb des Sozialen und des Politischen positionieren. Ich bin seit langem der Überzeugung, dass Klang ein Mittel ist, um sich mit einigen der wichtigsten und dringendsten sozialen Themen von heute zu befassen. “

     

    Jace Clayton (*1975, Framingham, MA, US) studierte Englisch an der Harvard University in Boston. Er hatte von 2017 bis 2018 eine Gastprofessur an der University of North Carolina at Chapel Hill inne und ist seit 2013 Mitglied der Fakultät Music/Sound des MFA-Programms des Bard College in New York. Clayton zeigte noch in diesem Jahr Werke seiner einjährigen Künstlerresidenz am Harvard Art Museum in einer Einzelausstellung in der Lightbox Gallery des Museums. Zudem war ein Beitrag auf der Sharjah Biennale 2019 zu sehen.
    2016 wurde sein Buch Uproot: Travels in 21st-Century Music and Digital Culture veröffentlicht. Desweiteren ist er für seine musikalische Arbeit unter dem Pseudonym DJ /rupture bekannt. Er lebt und arbeitet in New York.

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