• Violencia abstracta, 2013, Video. © Muu Blanco

    Equipe feminina do Afganistao, 2012, Fotografie. © Lela Ahmadzai

    Final da Champions League, 19.5.2012, München, Video. © Michael Wesely

    Together, 2012, Video. © Marina Camargo

    The Kids and the Axe, 2012, Video. © Gianfranco Foschino

    CentenÁureo, 2013, Video. © Santiago Tavella

    Pelada Noturna, 2011. © Dias & Riedweg

    Installationsansicht, 2014, © Christian Lauer

    Installationsansicht, 2014, © Christian Lauer

    Installationsansicht, 2014, © Christian Lauer

    Installationsansicht, 2014, © Christian Lauer

    Installationsansicht, 2014, © Christian Lauer

    Installationsansicht, 2014, © Christian Lauer

    FUTEBOL / Das Spiel hört erst auf, wenn es zu Ende ist

     


    24. Mai 2014 bis 13. Juli 2014

    Eröffnung am Freitag, den 23. Mai 2014, 18 bis 21 Uhr
    mit einer Führung durch den Sportreporter Rolf Töpperwien.

    Kuratiert von Alfons Hug (Direktor, Goethe-Institut Rio de Janeiro)


    In Kooperation mit:


                        

  • Lela Ahmadzai / Banda Bajofondo / Muu Blanco / Marina Camargo / Paula Delgado / Dias & Riedweg / Gianfranco Foschino / Sebastián Gordín / Simon Gush / Lukas Ligeti / Zhang Qing / Santiago Tavella / Michael Wesely

    Am 12. Juni beginnt in Brasilien die Fußball-WM 2014. Für einen guten Monat wird der Fußball Raum und Zeit zumindest zeitweise außer Kraft setzen. Millionen Menschen weltweit werden ihren gewohnten Tagesablauf aussetzen und sich dem 90-Minuten-Rhythmus der Spiele hingeben. Die tatsächliche Uhrzeit spielt keine Rolle mehr, wenn Menschen aller Zeitzonen gleichzeitig eine Partie verfolgen, ob nun vor dem Morgengrauen, mittags oder spät am Abend. Das Wochenende ist vorübergehend nicht mehr frei, Nationalfeiertage können urplötzlich zu Trauertagen werden, je nachdem ob das eigene Land soeben ausgeschieden ist.

    Dem Fußball, der das Leben spiegelt, ist nichts Menschliches fremd. Ihm wird die Fähigkeit zur Völkerverbindung zugeschrieben, er gilt als Topos des Fair Play, des Sportsgeistes, sogar religiöse Anklänge lassen sich ausmachen. Wie bei allem im Leben ist auch der Fußball von Schattenseiten nicht frei. So finden sich neben Spielfreude und Ausgelassenheit im Umfeld des Sports auch Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung. Und obwohl von den Austragungsorten der Weltmeisterschaft die Bilder des »offiziellen« Fußballs ihren Weg in jeden noch so entfernten Winkel des Planeten finden, bleibt dies doch für gewöhnlich eine einseitige Kommunikation. Was wissen wir von den Menschen an all diesen Orten, mit denen wir für die Zeit einer Spielübertragung eine Zeit, einen Rhythmus teilen?

    Die dreizehn für die Ausstellung eingeladenen künstlerischen Positionen lenken den Blick genau auf diese vernachlässigten Orte, auf die Geschichten an der Peripherie. Der Nassauische Kunstverein Wiesbaden richtet die Ausstellung in Kooperation mit dem Goethe-Institut Rio de Janeiro aus. Künstler und Filmemacher aus Lateinamerika, Deutschland, Österreich und China haben sich zusammengefunden und präsentieren ihren ganz persönlichen Blick auf die Welt. Dabei bleibt der Fußball als Folie und verbindendes Element der Arbeiten stets präsent.

    Das Duo DIAS & RIEDWEG haben den ursprünglichen Fußball auf einem nächtlichen Bolzplatz einer Favela von Rio de Janeiro gefunden. Ihre »peladas noturnas« bekommen in ihrer extremen Verlangsamung und durch die begleitende Musik eine Grazie und Anmut, die Assoziationen an das klassische Ballett hervorrufen. Dem echten Fußball spürt auch SEBASTIÁN GORDIN nach, wenn er sich auf einem Provinzbolzplatz als Torhüter versucht. MUU BLANCO aus Venezuela sucht die Gewalt,sowohl auf dem Feld als auch auf der Tribüne, und verwandelt brutale Szenen, die er im Internet gefunden hat, in abstrakte Bilder voller Schönheit, in denen der Sport nur noch bruchstückhaft erkennbar ist. In »603 football field« bezieht ZHANG QING mit einem Augenzwinkern Stellung zum herrschenden Platzmangel in den rapide wachsenden chinesischen Großstädten. Sechs Deckenkameras filmen eine komplette Wohnung, in der zwei Mannschaften zu drei Spielern und ein Schiedsrichter ein Fußballmatch austragen. Dass der Fußball auch unter widrigsten Umständen und an den unwahrscheinlichsten Orten gedeiht, zeigt SIMON GUSH. Auf Gleisen eines Rangierbahnhofes nahe Gent tragen Immigranten ein Match aus. Die religiöse Überhöhung, die dem Spiel und mitunter auch einzelnen Spielern entgegengebracht wird, bestimmt die Fotografie von PAULA DELGADO. Einen ganz eigenen Weg zwischen konkreter Geschichte und Abstraktion beschreitet SANTIAGO TAVELLA in seinen Videoanimationen. Der Grundriss des ersten Weltmeisterschaftsstadions von 1930 in Montevideo dient als Folie für seine spielerische Verfremdung der Spielfeldlinien. Im Video »Centrojá« der Band BAJOFONDO vermischen sich zeitliche und örtliche Ebenen: Der ursprüngliche Track mixt den traditionellen Tango der Vororte von Buenos Aires mit modernen Elektrosounds. MARINA CAMARGO verlässt das Feld der typischen Fußballkonnotationen und schafft in »Together« mit zwei Jugendlichen, die sich an einem nebligen New Yorker Strand gegenseitig einen American Football zuwerfen, eine ruhige, gelassene Stimmung. In den Fotos der gebürtigen Afghanin LELA AHMADZAI bekommt der Fußball eine soziale und politische Bedeutung. Die Frauen der afghanischen Fußballnationalmannschaft trainieren unter militärischem Schutz, ihre Betätigung ist ein Akt der weiblichen Selbstbehauptung. Das gleiche Medium, die Fotografie, benutzt auch MICHAEL WESELY. In seinen Langzeitbelichtungen von Fankneipen, Stadien oder Public Screenings zeigt sich Fußball als verbindender Freizeitspaß. Bei GIANFRANCO FOSCHINO verliert der Ball schließlich vollständig die Rolle des Protagonisten. Halbnackte Kinder auf einem Hinterhof zeigen demonstratives Desinteresse an dem Sportgerät und zerhacken stattdessen lieber Brennholz mit einer gewaltigen Axt. Die vibrierende Geräuschkulisse aus einem Stadion fängt schließlich LUKAS LIGETI mit seiner Soundinstallation ein.


    Weitere Ausstellungsstationen /

    Kunsthaus Nürnberg, 28.5. bis 6.7.2014

    Auswärtiges Amt Berlin, 6.5. bis 13.7.2014

     

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