• Michalis Pichler, GENTRIFICATION LUBRICANTS, 2002/8, Foto: © Michalis Pichler

    Installationsansicht im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden 2014 © Christian Lauer

    Eva Kietzmann & Petra Kübert, Living Resorts (Goldrute), 2014, Foto: © Eva Kietzmann & Petra Kübert

    Tim Plamper,The Blitz (oder das Gemeinsame in der Differenz), 2012, Foto: Installationsansicht im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden 2014 © Christian Lauer

    Nina von Seckendorff, O.T. (U-Bahn), 2014, Videostill © Nina von Seckendorff

    Marc Bijl, Atonomy Of The Graces, 2014, Foto: Installationsansicht im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden 2014 © Christian Lauer

    Salah Saouli, Lichtobjekt, 2010, Foto: © Salah Saouli

    Installationsansicht im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden 2014 © Christian Lauer

    Via Lewandowsky, Contenance, 2014, Foto: Installationsansicht im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden 2014 © Christian Lauer

    Hausbesetzung


    13. September 2014 bis 14. Dezember 2014

    Eröffnung am 12.9.2014, 17:30 bis 20 Uhr
    Schirmherr der Ausstellung: Oberbürgermeister Sven Gerich

    Das Projektwird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert.

    In Kooperation mit: 

             

  • Silva Agostini / Marc Bijl / Selket Chlupka / Thomas Eller /
    Larissa Fassler / Amir Fattal / Kerstin Honeit /
    Eva Kietzmann & Petra Kübert / Timo Klöppel / Stephanie Kloss / Kunst-Koffer / Alicja Kwade / Via Lewandowsky /
    Gordon Matta-Clark /
    Dominikus Müller & Kito Nedo /
    Manfred Peckl / Michalis Pichler / Tim Plamper / Verena Resch / Adam Saks / Salah Saouli / Andreas Schlaegel /
    Nina von Seckendorff / Daniel Segerberg / Marcus Sendlinger / Philip Topolovac / Fabrizia Vanetta / Adriana Vignoli /
    Annette Weisser / Sinta Werner / Martin Zawadzki

    2014 jährt sich die Städtepartnerschaft Wiesbadens mit Berlin-Kreuzberg (seit 2001 Friedrichshain-Kreuzberg) zum 50. Mal. Der Nassauische Kunstverein freut sich anlässlich dieses Jubiläums eine umfangreiche Gruppenausstellung mit Berliner Künstlerinnen und Künstlern zu präsentieren. Die 1964 geschlossene innerdeutsche Städtepartnerschaft, damals eine der ersten ihrer Art, entstand sowohl aus der verbindenden Erfahrung der Berliner Luftbrücke heraus, die über den Flughafen in Wiesbaden-Erbenheim mitversorgt wurde, als auch als Solidaritätsbekundung gegenüber den eingeschlossenen Bezirken Westberlins.

    Heute könnten die beiden Partner kaum unterschiedlicher sein: Wiesbaden, einst Lieblingsreiseziel von Kaiser Wilhelm II. und „Weltkurort“, der außerhalb der Berliner Residenz alle Annehmlichkeiten in Form einer Art idealisierten Miniatur Berlins bot, bereichert um Thermalquellen, einem Kurhaus mit Casino sowie zahlreichen üppigen historistischen Wohngebäuden – eine  Bausubstanz, die das mondäne Stadtbild bis heute prägt. Knappe 600 km entfernt, behauptet sich damals wie heute die Hauptstadt Berlin. Der Stadtteil Kreuzberg, traditionell Pilgerort der Bohème und Seismograph für soziale und politische Bewegungen, gilt spätestens seit den Studentenunruhen der 60er-Jahre als Ort der Progressivität und des Umschwungs. Armut und Parallelgesellschaften sind Assoziationen, die sich mit Kreuzberg noch heute verbinden lassen, aber auch kulturelle Vielfalt, Kreativität, Kunst, urbane Mittelschicht und Gentrifizierung, die diesen Stadtteil längerfristig verändern wird

    Das Phänomen der Gentrifizierung bildet den thematischen Ausgangspunkt der Ausstellung HAUSBESETZUNG. Als ein akutes soziales Problem mit hoher gesellschaftlicher Relevanz wird die Problematik vor allem in Kreuzberg sichtbar, wo sich der Widerstand gegen die strukturelle Umwälzung von Wohnquartieren offen zeigt und durch mediale Bilder verstärkt wird.

    Der Blick in die Geschichte Wiesbadens zeigt, wie schnell und stark sich ein Stadtbild durch äußere Einflüsse verändern kann: Indem er das „Nizza des Nordens“ regelmäßig im Sommer besuchte, prägte Kaiser Wilhelm II. das Stadtbild Wiesbadens, denn in seinem Gefolge ließen sich zahlreiche Adelige, Künstler und wohlhabende Unternehmer in der Stadt nieder. So war es en vogue hier zumindest seinen Zweitwohnsitz zu unterhalten – geprägt durch Preußen vervielfachte sich die Einwohnerzahl. Wiesbaden nahm die Rolle einer „Wohnstadt der Society“ ein, während parallel repräsentative Bauten entstanden. Bis heute prägen diese beiden Aspekte sowohl das soziale als auch das optische Stadtbild Wiesbadens entscheidend.

    Die Ausstellung nimmt sich zum Ziel, das Phänomen der Gentrifizierung zu hinterfragen und künstlerische Positionen zu zeigen, die verschiedene Zugänge zum Thema bieten, sei es ganz konkret oder auch abstrakter. Neben einer Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven eröffnet die Ausstellung eine große Bandbreite künstlerischer Medien: Neben Malerei, Skulptur, Fotografie und Video werden einige Installationen direkt für die Räume des NKV entwickelt oder auf sie angepasst.

    In einer Villa direkt an der „Prachtstraße“ Wiesbadens, der Wilhelmstraße, gelegen, wird der Begriff der Gentrifizierung durch eine symbolische Besetzung des Kunstvereins durch Berliner Künstlerinnen und Künstler abstrahiert werden. Dazu wird die Ausstellung  zunächst im klassischen Sinne vom Team des NKV kuratiert, um sich während der Laufzeit zu dynamisieren und zu transformieren: Den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern stand es frei, jeweils weitere Positionen auszuwählen, die in einen Dialog mit den bereits anwesenden treten oder auch deren Verdrängung bewirken können: Auswahl, Umfang, Hintergrund und Medium bleiben hierbei frei, der Kunstverein übt kei­ne inhaltliche Einflussnahme aus, vielmehr unterstützt er die Transfor­mationen lediglich logistisch und organisatorisch. Insgesamt verändert die Ausstellung so ihr Erscheinungsbild in mehreren ineinandergreifen­den Phasen. Kontinuität innerhalb der Laufzeit gibt es nicht – ähnlich einem Stadtbild, dessen Einwohnerstruktur sich stetig wandelt.

    In Kooperation mit dem Künstlerhaus Bethanien, eine der wichtigsten und traditionsreichsten Adressen für zeitgenössische Kunst in Berlin(-Kreuzberg), richtet der NKV innerhalb der Ausstellung einen von dessen Geschäftsführer Christoph Tannert kuratierten Raum als Kreuzberger Satellit ein. Genötigt durch die unhaltbaren Zustände nach der teilweisen Besetzung des historischen Bethaniengebäudes durch Linksautonome im Jahr 2005, zog die Institution innerhalb Kreuzbergs an ihren derzeitigen Standort in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Kotti“ (Kottbusser Platz) um.
    Das Kulturzentrum Schlachthof Wiesbaden, ebenfalls Kooperationspartner für die Ausstellung, entstand ursprünglich aus der Besetzung und Umnutzung von Räumen auf dem ehemaligen Schlachthofgelände. Am 13. und 14. Dezember wird in der Räucherkammer des Schlachthofs Wiesbaden das Event 24h – Projekt Hausbesetzung stattfinden, bei dem Konzerte und Vorträge ein anderes Licht auf die Thematik der Ausstellung werfen werden.
    Den Abschluss bildet ein Filmprogramm am 14. Dezember im Filmtheater der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung Wiesbaden.

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