• Johnny H.-C. Pack / Narkolepsie


    20. Januar 2008 bis 24. Februar 2008

    Eröffnung: Samstag, 19. Januar 2008 / 17 bis 20 Uhr

    kuratiert von Steffen Conradi

  • In der Ausstellung „Narkolepsie“ erforschen die fotografische Arbeiten von Johnny H.-C. Pack die Themen kulturell hybrider Identitäten, das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Umwelt und das Interesse an Zuständen des "Dazwischen-Seins."

    Narkolepsie ist eine neurologische Störung, die zu plötzlichen und unkontrollierbaren Schlafzuständen führt. Johnny Packs Arbeiten ist dieser Gedanke des hilflosen Hin- und Herschwankens zwischen Traum und Wachen, die Flashbacks, das Aufblitzen von Erinnerungen durch bestimmte Geräusche, Gerüche und Farben, eine gewisse Orientierungslosigkeit nach tiefer Konzentration eingeschrieben. All das lässt die Realität verschwimmen und die Wahrnehmung gleitet ab in diese andere Ebene, in der Vergangenheit und Erinnerungen die Realität ersetzen und mit der Johnny Pack sich in seiner Arbeit auseinandersetzt.

    Der Gedanke des Weder-hier-noch-dort in verschiedenen Wirklichkeiten überschneidet sich mit dem Interesse des Künstlers an Zuständen des "Dazwischen-Seins." Der Gedanke eines "Dazwischen" findet sich häufig im spirituellen Denken verschiedener Kulturen, wo das Erleben der Welt und der Realität jenseits dieser Welt auf ganz verschiedene Art und Weisen interpretiert wird. In der Philosophie existiert nichts aus sich selbst heraus sondern ist abhängiger Teil eines Ganzen. Dies erlaubt Bewegung, Wandel und Spontaneität, vor allem jedoch auch eine Befreiung von Interpretation und Definition. Das kulturelle "Dazwischen-Sein" wurde von den französischen Philosophen Deleuze und Guattari thematisiert und bezieht sich hier auf den Gedanken des "Werdens," indem sie sich auf die Grenzen der Sexualität und verschiedener Seinszustände beziehen, in denen Identität in seiner Bezeichnung verschwindet und die kategorische Unterscheidung zwischen männlich-weiblich, Kind-Erwachsener und Mensch-Tier verschwinden.

    Johnny Hyun-Chul Pack, in Deutschland geboren, ist koreanischer Abstammung und hat Europa, Asien und Amerika bereist. Dieses Eintauchen in ganz unterschiedliche Kulturen hat sein Werk nachhaltig beeinflusst. "Hybri-Diddy" ist eine Identitäten spielen. Jede Kultur hat ihre eigene traditionelle Kleidung und in dieser Serie sieht man Pack einen traditionellen koreanischen Hanbok tragen, der dort üblicherweise nur von Frauen getragen wird. Auf dem Kleid sind Swastiken abgebildet die in Korea ein Symbol des Schutzes darstellen.

    Die darauf folgende Reihe von Bildern, mit "Disorientiert" bezeichnet, widmet sich dem Individuum als Subjekt in verschiedensten Ausrichtungen und Posen, knieend, stehend oder liegend in denen Pack versucht die verschiedenen Perspektiven und Eindrücke des Lichts festzuhalten. Bewusst verschiebt er unseren Betrachtungswinkel um so ganz neue Blicke auf die Person zu erlangen. Schließlich sehen wir eine Reihe von Lichtkästen aus der "(h)there" genannten Serie. Dies sind mysteriöse Darstellungen dunkler Bilder, Silhouetten die an Schatten erinnern. Diese Arbeiten lassen deutlich werden, welch wichtige Rollen Licht und Schatten in unserer Wahrnehmung spielen - und zu welch reichen Assoziationen sie uns veranlassen.

    Die Photographien von Johnny H.-C. Pack spielen mit unserer Wahrnehmung und zeigen auf wie verschiedenen Zustände des Seins, die innerhalb unterschiedlicher Kulturen bestehen, sich unaufhörlich vermischen, während sie sich selbst sowie die Grenzen von Kultur neu definieren. Die von ihm getroffenen Darstellungen sind stilisiert doch enthalten sie eine Sensibilität und Wissen um das Subjekt auf einer näheren Ebene. Die Arbeiten fordern unsere persönlichen Ideen von Identität heraus und wie wir das Visuelle, das Mentale sowie die emotionelen Räume definieren in denen wir uns bewegen.

    Johnny Pack ist gebürtiger Wiesbadener. Er studierte in Wiesbaden, London und New York Kommunikationsdesign und Photographie und ist Master of Arts in Bildender Kunst. Seine Arbeiten befinden sich in privaten Sammlungen in Deutschland. Pack hat an der Parsons School of Design in New York City unterrichtet und arbeitet als Freiberuflicher Photograph.

    Die Ausstellung ist Bestandteil der Ausstellungsreihe PERSPEKTIVEN DER ZUKUNFT. Die Naspa ist exklusiver Presenter dieser Reihe. PERSPEKTIVEN DER ZUKUNFT ist eine laufende Folge zu künstlerischen Zukunftsvisionen mit gesellschaftlicher Relevanz. Fragestellungen der Zeit werden in verschiedenen Ausstellungsprojekten bearbeitet. Der Nassauische Kunstverein und die Nassauische Sparkasse möchten damit einen Anstoß zur kritischen und ungewöhnlichen Auseinandersetzung mit Zukunftsvisionen und gesellschaftlichen Entwicklungen leisten.

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