• Linien


    13. Mai 2007 bis 01. Juli 2007

    Susanne Dietz / Heike Kern / Adam Drobiec / Susanne Kessler / Fred Eerdekens / Tomoko Konoike / Simon Halfmeyer / Janaki Lennie / Chris Hipkiss / Gerhard Mayer

    Eröffnung: Samstag, 12. Mai 2007 / 17 bis 20 Uhr

  • Nicht ein bestimmtes Thema steht im Vordergrund, sondern unterschiedliche, von verschiedenen Kuratoren ausgewählte zeichnerische Ansätze, die in einer offenen Beziehung zueinander präsentiert werden...

    Susanne Dietz / kuratiert von Cornelia Saalfrank
    Die „fragmentarische Collage“ ist freie Kombination aus gemalten, gezeichneten, fotografierten, kopierten und schließlich ausgeschnittenen Figuren, Gesichtern und Gegenständen, die in ihrem Aufbau eine jeweils einmalige, nicht wiederholbare Konstellation von spontan fixierten Elementen darstellt. Kompositionsschiedsrichter ist nicht der Wille des Autors, sondern der Zu-Fall eines Elementes zum anderen.
    An- oder Abwesende wahrzunehmen bleibt dem mutwillig zerstreuten Auge des Betrachters überlassen.

    Heike Kern / kuratiert von Hans Joachim Gawe
    Monokultur
    Nicht Vervielfältigung, sondern Wiederholung ist das Bauprinzip der Arbeiten: Punkte werden Linie, Linien addieren sich zu Fläche, Flächen zu Körper – dicht, gebündelt, lose, offen, greifend. Das Werden bleibt transparent. Die Zeichnungen und Skulpturen bestehen aus kleinen einfachen gleichen Elementen, die sich zu einem neuen Ganzen bauen. Die Form dieses Ganzen ist abhängig von der Art der Fügung seiner Teile. Die Fügung ist zugleich die innere Regel der Arbeit; sie ergibt sich aus dem den Teilen innewohnenden Potential.
    Die Teile das Ganze und der Rest
    Arbeiten, die für eine konkrete Raumsituation entstehen, wie im Kunstverein, gehen Fragen voraus: Was macht der Raum mit dem Betrachter? Wie beeinflusst er Bewegung, körperliches Befinden? Er macht bestimmte Formen möglich. Gesucht wird die Form, die sich so im Raum benehmen kann, dass sie ihn zeigt.

    Adam Drobiec / kuratiert von Elke Gruhn
    Über die hyperrealistischen Tierdarstellungen legt sich ein ebenso filigranes wie kompliziertes Netzwerk aus der Ästhetik von Verknotungen, Verdichtungen und Verschnürungen von Nadelspitzen aus Paris, Nürnberg, Venedig, Frankfurt sowie griechischer und italienischer Klöppelspitzen. Diese monochromen „Spitzenzeichnungen“ faszinieren durch ihre Auseinandersetzung mit Kultur und Natur.
    Großformatige „Seilzeichnungen“ von Adam Drobiec werden zeitgleich in der IHK Wiesbaden präsentiert.         


    Susanne Kessler
    / kuratiert von Inge Naumann
    Susanne Kesslers Installation "Hirnvernetzt" verwandelt den Raum in einen energiegeladenen, lebendigen Ort. Wändefüllend komponiert sie ihre ausgeschnittenen, hinterklebten Zeichnungen zum Thema Hirn - geschichtet, vereinzelt, gereiht - in unterschiedlichen Formationen. Die Installation ist ein Versuch ein Organ, das niemals ruht in seinen ständigen Neuformungen
    visuell zu erfassen.
       
    Fred Eerdekens
    / kuratiert von Simone Mohndorf
    Wie seltsame Gewächse sprießen elegant verbogene und in kalligrafischen Schnörkeln verdrehte Drähte unentschlüsselbar vor einer Wand. In ihnen versteckt sind Worte, Sätze, vermutliche Wahrheiten, deren Sinn jedoch nur im Beisein vom rechten Licht gesehen werden kann, wenn die semantische Drahtlandschaft im Zusammenspiel mit ihrer Umgebung einen sprechenden Schatten wirft…

    Tomoko Konoike
    / kuratiert von Katharina Klara Jung
    Eine Biene mit dem Unterleib eines rotbeschuhten Mädchens, ein sechsbeiniger Wolf, ein Mädchen, das zur Frau wird oder nicht, und Mimio, ein plüschiges rundes kleines Wesen, das kein Gesicht hat – mit diesen Protagonisten erzählt Tomoko Konoike ein Bruchstücke aus Mimios Odyssee durch eine zauberhafte Welt, in der Dolche vom Himmel regnen und die ihre leise, geheimnisvolle Anziehungskraft aus der von Geistern und Tieren bevölkerten japanischen Mythologie schöpft.

    Simon Halfmeyer / kuratiert von Cornelia Saalfrank
    Simon Halfmeyers grafisch konstruierte Wandbilder sind fiktive Landschaften, die auf klassischen Kompositionsprinzipen wie Perspektive und Proportion beruhen. Ausgesprochen erfindungsreich spielt der Künstler dabei mit verschiedenen Wahrnehmungsebenen. So werden einzelne Motive in unverhältnismäßiger Nahsicht gezeigt und damit aus dem architektonisch konstruierten Liniengerüst herausgezoomt, während andere von abstrakten Linien überschnitten und damit in einen kristallin gestalteten Gesamtzusammenhang eingegliedert werden.
    Halfmeyers Bildmotive stammen größtenteils aus Gewächshäusern, Orangerien, naturhistorischen Museen und Shopping Malls, deren charakteristische zellenförmige Glasbauweise in den Zeichnungen einen entsprechenden Widerhall finden. Die damit erreichte Durchdringung von Außen- und Innenansicht hinterlässt beim Betrachter ein bestimmendes Gefühl der Schwerelosigkeit.

    Janaki Lennie / kuratiert von Caroline Erkenswick
    Dem ersten Anschein nach sind Janaki Lennies Bilder leer – die bloße weiße Fläche eines Blatt Papiers wird dem Betrachter zum Betrachten gegeben. Beim näheren Betrachten werden winzige Objekte sichtbar. Bäume oder menschliche Figuren stehen zusammen oder getrennt, aber immer auf eine Art und Weise arrangiert in dem Raum des weißen Blatt Papiers.
    Durch die Luftperspektive, welche für die Zeichnungen ausgewählt wurde und dem fehlenden Horizont wird für den Betrachter die Weite des Raumes schier grenzenlos, so dass sich das Geschehen in ihm verliert. Ein sonderbares Licht, in das die Objekte eingetaucht sind, lässt die Schatten lang werden und eine zart aber merkbar gezeichnete Linie teilt den Raum beziehungsweise teilt den Raum ein, in dem Objekte platziert sind.
    Die Reduziertheit der Bilder wandelt sich zu einem Freiraum um in dem sich eine Art von Ruhe ausdehnt die der Betrachter in sich aufnimmt. In anderen Arbeiten ist ein Augenblick eingefangen. Ein flüchtiger Blick wird hier festgehalten und zum Bildinhalt. Vorbei an Architektur und Natur wird aus der Perspektive heraus ein Blick zum und in den Himmel hergestellt in dem Weiteres zeichnerisch nur kurz „erwähnt“ ist. Bei Janaki Lennie wird der leere Raum zum uneinnehmbaren Freiraum.

    Chris Hipkiss / kuratiert von Elke Gruhn
    Die ausschließlich mit weichem Bleistift gezeichneten Allegorien bewegen sich zwischen Science Fiktion und mittelalterlichen apokalyptischen Phantasien. Meist haben die Bildinhalte ein offenes Ende. Der Betrachter wird durch aufwendige Perspektiven in die Weite der mysteriösen Darstellung gezogen. Textfragmente finden sich organisch wachsend in den Bildmotive eingepflanzt oder wie Bordüren an den Rändern der Zeichnungen.
    oben: Can Hacks Con, 2006, Courtesy Galerie Susanne Zander

    Gerhard Mayer / kuratiert von Sabine Idstein
    "Die bestimmenden Faktoren dieser Wandzeichnung sind meine Zusammenarbeit mit der Sängerin Simone Michalko und das Übernehmen der Grundstruktur des Ausstellungsraumes als zentrale Form an der Wand.
    Das strengen Regeln unterworfene Zeichensystem lässt trotzdem viele Zufälle und fremde Einflüsse zu. Aus diesem Grund war es die logische Konsequenz, für eine bestimmte Wandzeichnung eine weitere Person in die Arbeit zu integrieren. Jede Linie wird durch das Anlegen des Pinsels an eine Ellipsenschablone erzeugt. Durch das meist zeitgleiche Zeichnen beider Personen an derselben Schablone entstehen unerwartete Einflüsse, die wie in einem evolutionären System den Verlauf bestimmen. Mehr als bei jeder Wandzeichnung vorher wurde das Verhältnis von zufällig entstandenen Linienverbindungen und notwendiger Einbindung dieser Stellen wichtig.
    Im Weiteren war der symmetrische Aufbau des Raumes Anstoß, eine Zeichnung mit zwei Zentren zu entwickeln. Durch dargestellte und verzerrte Perspektiven wirkt die Zeichnung aus jedem Betrachterstandpunkt verschieden. Die Bewegung des Betrachters im Raum erweitert somit die Wahrnehmungsmöglichkeiten."
    Gerhard Mayer / Simone Michalko
    Abbildung: "Bacteriorhodopsin 1/600 Sekunde entfernt von Brüssel", 2006, Installationsansicht Galerie Annette Oechsner Nürnberg, Foto: Jürgen Schabel 2007

     

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