• Malverwandtschaften


    26. Januar 2003 bis 09. März 2003

    Zwei Positionen junger Malerei

    Sabine Dehnel / Nicola Stäglich

    kuratiert von Anja Greulich

  • 1808 schrieb Johann Wolfgang von Goethe seinen Roman „Die Wahlverwandtschaften“. Anstoß gab ein naturwissenschaftliches Werk, 1785 erschienen, mit dem Titel „De attractionibus electivis“ von dem schwedischen Gelehrten Torbern Bergmann. Er beschrieb in seinem Werk chemische Stoffe, die sich gegenseitig anziehen, aus innerer Verwandtschaft wählen – im Gegensatz zu jenen, die sich abstoßen. Goethe hat das Naturphänomen in seinem Roman auf Menschen übertragen, „die, obgleich einander entgegengesetzt und vielleicht eben deswegen, weil sie einander entgegengesetzt sind, sich am entschiedensten suchen und fassen, sich modifizieren und zusammen einen neuen Körper bilden, ist diese Verwandtschaft auffallend genug.“

    Bei der Suche nach einem geeigneten Titel für die Ausstellung im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden schien dieser Gedanke wie geschaffen: Denn beide Künstlerinnen vertreten jeweils eine eigene Position in der zeitgenössischen Malerei: Sabine Dehnel malt figürlich, Nicola Stäglich abstrakt. Sie sind „einander entgegengesetzt“, um bei Goethes Worten zu bleiben, und dennoch besteht eine „innere“ Verwandtschaft. Nicht nur, weil beide Malerinnen Meisterschülerinnen von Friedemann Hahn sind, sich lange kennen und über ihre Arbeiten austauschen.

    zurück /