• Yama Rahimi, Creation Song, 2014, 7:17 min, Videostill, Courtesy und ©: Der Künstler

    Yama Rahimi, Creation Song, 2014, 7:17 min, Videostill, Courtesy und ©: Der Künstler

    Yama Rahimi, I and You!, 2015, 8:21 min, Videostill, Courtesy und ©: Der Künstler

    NKVextra

    Yama Rahimi / San


    20. Mai 2017 bis 02. Juli 2017

    Eröffnung am Freitag, 19. Mai 2017, ab 18 Uhr

  • Die Dominanz patriarchalischer Strukturen in Afghanistan, und die damit verbundenen Aspekte der Unterdrückung der Frau, werden in den Videos von Yama Rahimi (*1992, Maidan Wardak, Afghanistan) thematisiert. Unter dem Titel San, der in Dari Umschrift Frau bedeutet, sind zwei seiner Videoarbeiten, I and You! und Creation Song, im Nassauischen Kunstverein zu sehen.

    Obwohl die demokratische Verfassung Afghanistans gleiche Rechte für Mann und Frau garantiert, ist es Frauen weiterhin nicht gestattet, am politischen und gesellschaftlichen Leben aktiv teilzunehmen. Zwischen den konstitutionellen Richtlinien und dem realen Lebensalltag liegt eine unüberwindbare Kluft. Zwar sind Frauen in der Öffentlichkeit physisch anwesend, intellektuell werden sie jedoch nach wie vor von Männern bevormundet.

    In seiner Arbeit I and You! reduziert Yama Rahimi mit filmischen Mitteln vier Frauen auf ihre verhüllten Körper. Kleidung und Anzahl der dargestellten Frauen und Männer beziehen sich auf vier Phasen der gesellschaftlichen Entwicklung in den vergangenen hundert  Jahren afghanischer Geschichte. Mit Hilfe von Bildmontage werden diesen Körpern zunächst vier ausdruckslose Männerköpfe in quadratischen Rahmen aufgesetzt, bis am Ende des Videos schließlich die tatsächlichen Gesichter der Frauen ohne einengende Rahmung zu sehen sind. Im Video gibt der Künstler den Frauen sozusagen symbolhaft ihr Gesicht zurück. In diesen digitalen Bildern sind sie befreit aus dem real engen Gerüst, das aus ihrer Stellung am Rande der Gesellschaft konstruiert wurde: Ohne die Möglichkeit zu unabhängigen Wahlen, als zweitrangiges Geschlecht, sowie geprägt durch Gewalt von Männern als auch staatlichem Amtsmissbrauch sind ihre Rechte im alltäglichen Leben rein theoretisch.

    Creation Song befasst sich ebenso mit dem Gegensatz von äußerem Anschein und innerer Wahrheit. Der Titel des Videos ist dabei durch die Einblendung eines männlichen, verheirateten Steinmetzes bei der Arbeit und den monotonen Klängen seines immer wieder auf einen Meißel schlagenden Hammers wörtlich zu nehmen. Gleichzeitig ist er aber auch als Antagonismus zu den gezeigten Bildern eines weitläufigen Friedhofes zu verstehen. Die Frau als Schöpferin spielt in der Person einer Tänzerin ebenso eine Rolle, wie als Opfer in Repräsentation der bunten Tücher, mit denen Yama Rahimi die, zu Anfang und Ende des Videos auftauchenden Grabsteine auf einem Friedhof, bedeckt hat. Die Gleichzeitigkeit von Schöpfung und Vergänglichkeit, Bewegung und Stillstand, sowie von Weiblichkeit und Tod, verweist auf die gespaltene Situation der Frau in Afghanistan – verhüllt und unterdrückt von Außen, aber mit dem inneren stetigen Wunsch, auszubrechen und sich frei bewegen zu können.

    Yama Rahimi (*1992, Maidan Wardak, Afghanistan) machte 2014 seinen Bachelorabschluss in Filmregie an der Fakultät für Bildende Kunst der Universität Kabul. Seine künstlerische Arbeit konzentriert sich auf  Videokunst, konzeptuelle Fotografie und Kurzfilme. Er hat bereits an mehr als 20 Ausstellungen in über 15 Ländern teilgenommen und ist zurzeit Mitglied des Center for Contemporary Arts Afghanistan und des 3rd Eye Photojournalism Center. Yama Rahimi lebt und arbeitet in Geisenheim.

     

     

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