• + PLUS + Stipendiaten der Vordemberge-Gildewart Stiftung


    02. September 2007 bis 06. Januar 2008

    Die Wiesbadener Preisträger
    Angela Glajcar / Christiane Löhr / Erica von Moeller / Sascha Pohle / Katja M. Schneider + Yves Netzhammer

    Eröffnung: Samstag, 1. September 2007 / 17 bis 20 Uhr

  • Das Stipendium der Vordemberge-Gildewart-Stiftung gehört zu den am höchsten dotierten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst überhaupt. Jedes Jahr trifft sich die Auswahlkommission an einem anderen Ort, um die Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der jeweiligen Region zu begutachten und unter ihnen einen oder mehrere Preisträger und Stipendiaten zu ernennen.

    Der NKV und das Museum Wiesbaden, kaum 3 Minuten zu Fuß auseinander gelegen, präsentieren gemeinsam die Stipendiaten der letzten 10 Jahre. Im Rahmen dieser Kooperation zeigt der NKV auf der 2. Etage mit Angela Glajcar, Christiane Löhr, Erica von Moeller, Sascha Pohle und Katja M. Schneider die fünf Stipendiaten, die aus Wiesbaden und der Region stammen.

    Mit Yves Netzhammer wird die gesamte erste Etage bespielt vom Preisträger des Vordemberge-Gildewart-Stipendiums von 2006, der momentan auch die Schweiz auf der 52. Biennale von Venedig vertritt.

     

    Yves Netzhammer / kuratiert von Elke Gruhn
    Yves Netzhammer inszeniert seine Präsentation auf einer Etage des Kunstvereins mit weitgehenden farbigen Eingriffen in den atmosphärischen Zusammenhang. Mit drei aufeinander bezugnehmenden Videoinstallationen aus den Jahren 2003-2004 sowie einer für den NKV umgesetzten Wandzeichnung und ergänzenden, grafischen Arbeiten entsteht eine Topografie der Erzählung, in deren Spannungsfeld ein Ausloten von Bewegung, Gravitation und Körper einerseits, sowie von Sozialisation, Vokabular und Grammatik andererseits aufgebaut wird.

    Angela Glajcar
    Mit einer vier Meter langen freihängenden Höhle setzt Angela Glajcar im NKV die Serie der „Terforation“ folgerichtig fort. Im Vorjahr installierte sie eine 18 Meter lange Skulptur im Foyer der Naspa in luftiger Höhe, im selben Bogenformat (2,5 m x 1,28 m) wird dem Betrachter jetzt ein direkter Einblick und Zugang in die „Papierwolke“ ermöglicht, die Papierbögen schweben direkt  ber dem Boden und lassen Assoziationen an jahrhundertealte  letscherformationen entstehen.


    Erica von Moeller
    Die Arbeit "Wie aus Glas" zeigt unterschiedliche Personen, die langsam verschwinden während sie den Betrachter anschauen. In einem Off-Text beschreibt eine Ich-Person, wie menschenähnliche Wesen sich in seiner Wohnung einnisten, ohne von ihm Notiz zu nehmen.
    Die Arbeit thematisiert, wie sich in einer medialen Welt Realität und Fiktion immer mehr vermischen, während Wünsche und Sehnsüchte aus fiktionalen Zusammenhängen generiert werden. Die Installation geht dabei der Frage nach, was in unserem Handeln und Denken überhaupt noch authentisch und individuell ist.
    Am Fuß der zerfurchten Felsgipfel des Tulove Grede, 60 Kilometer entfernt von der sonnigen kroatischen Adriaküste, öffnet sich auf einer Höhe von mehr als 1000 m das Plateau des Mali Alan. Die raue, eindrückliche Natur dieser Bergregion, heute Nationalpark und Niemandsland zwischen Kroatien und Serbien, verrät ebenso wenig von ihrer kriegsbelasteten Vergangenheit und Aktualität wie von ihrer einstigen Funktion als Drehort für Wildwest-Szenerie in Karl-May Produktionen der 60er und Folgejahre.


    Katja M. Schneider
    ›wahr nehmende selektion‹
    In Stapeln alter Tageszeitungen finde ich Abbildungen, die ich aus ihrem Kontext herausschneide und aufhebe. Diese erste Auswahl beruht auf schnellen visuellen Entscheidungen, die nichts mit den dargestellten Inhalten zu tun haben. Die Bilder lösen sich noch weiter von ihrer Geschichte, je mehr Zeit vergeht, bevor sie zur Verwendung kommen.
    „Wieso dieses Bild, wieso nicht das andere?“ Welche Informationen lässt die „innere Firewall“ eigentlich durch? Was für visuelle und geistige Verknüpfungen spielen eine Rolle bei diesen Entscheidungen?
    Auf diese Weise in meine malerische Gedankenwelt transferiert, werden die Ausgangsbilder am Computer zerschnitten und verändert. Danach mache ich die Pixel oder Daten wieder greifbar, durch den Druck auf dickes gelbliches Papier. Es folgen Collage, Überzeichnung, Übermalung. An diesem Punkt war für mich der nächste Schritt, dieses Prinzip wieder auf die Malerei - auf die Leinwand - zu übertragen.
    Katja M. Schneider Frühjahr 2007


    Christiane Löhr
    Kreisförmig in die Wand gesteckte Nadeln bilden den Ausgangspunkt der Installation „Haarreusen“ von Christiane Löhr. Zwischen zwei gegenüberliegenden Flächen des Raumes werden Röhren aus langem, verflochtenem Haar des Pferdeschweifs horizontal gespannt. Bleiben sie in ihrer fragil zarten Struktur zunächst kaum sichtbar, entwickeln sich die mittig konkav verjüngenden Röhren im gegenseitigen Zusammenspiel zu einer sich wandelnden dreidimensionalen Skulptur.

    Sascha Pohle
    Matinée beim exground filmfest am 25. November 2007, 12 Uhr
    Sascha Pohles Film The Mad Masters besteht aus verschiedenen Videosequenzen eines Celebrity Impersonator und Look-alike Kongresses in Las Vegas sowie vier Filmplakaten zu diesem Film. Die Protagonisten des Videos sind professionelle, sowie angehende Celebrity-Darsteller. Die Szenen zeigen Ausschnitte von Interviews zu Fragen ihrer Rolle als Doppelgänger, als auch Aufnahmen von ihren Performances, in der Personenrolle, die sie verkörpern.
    Dabei ist Wechsel zwischen beiden Identitäten oft fließend. Der Titel der Arbeit ist dem Dokumentarfilm Les Maîtres Fous von Jean Rouch (1955) entliehen, ein umstrittener Dokumentarfilm, der den Hauka-Kult mit Besessenheitszeremonien in Accra, Ghana beschreibt. Während der Zeremonien werden Teilnehmer von Hauka-Geistern, zumeist in Form kolonialer Autoritätspersonen, ergriffen. Die Filmbilder sind von einer außergewöhnlichen Brutalität und Intimität. Obgleich Jean Rouch von den Hauka gebeten wurde, ihr Ritual zu filmen, war die Vorführung von Les Maîtres Fous in Ghana viele Jahre verboten. Die Szenen, auf die sich die Kritiker des Films beziehen, rufen ethische Fragen in Bezug auf den Umgang mit den Gefilmten und den Zuschauern hervor. Rouchs sehr umstrittener Film stellt grundsätzliche die Fragen: Wer eigentlich der Verrückte ist, der Besessene oder der Dargestellte?
    Eine Frage, wie sie sich sicherlich auch in Sascha Pohles Mad Masters aufdrängt. In der Struktur des Videos von Sascha Pohle wird eine dokumentarische Erzählmethode vermieden, vielmehr werden verführerische Bilder geschaffen, um Fragen zu individueller versus gesellschaftlicher Identität zu stellen. Die Frage nach der Aneignung anderer Lebensweisen und die Existenz von Parallelwelten wird in Sascha Pohles Arbeit thematisiert. Wen verkörpern wir? Wer möchten wir gerne sein? Warum vergleichen sich Menschen immer mit Prominenten?
    Die tiefgründige Frage nach Original und Kopie spitzt sich in den ebenfalls ausgestellten Filmplakaten zu. Sie wurden im kostengünstigen Vervielfältigungsmedium Offsetdruck nach „hochkopierten“ Auftragszeichnungen, die Sascha Pohle im Kunstkopierdorf Dafen, China anfertigen ließ. Die Künstler in Dafen sind auf das Kopieren der Klassiker der Kunstgeschichte spezialisiert, jede Art von Ölbild kann dort in Auftrag gegeben werden und wird nach Quadratzentimeterpreisen bezahlt. Als Vorlage dienten wiederum Internetfotos von Celebrity Doubles, die von den chinesischen Zeichnern, denen das Projekt Pohles nicht bekannt war, in der Umsetzung vielmehr den Originalen Personen angelehnt sind. Diese Manipulation der Vorlage reicht bis zur freien Hinzufügung von eindeutigen Realitätsschaffenden Attributen, wie einem Foto von Brad Pitt bei Angelina Jolie.
    Alle Urheber-Angaben sind seitlich links unten im „Kleingedruckten“ der Plakate aufgeführt – die Frage, ob die Person, die der Betrachter wahrnimmt aber tatsächlich existiert, wird dadurch jedoch nicht beantwortet.

     

    Diese Ausstellung ist Bestandteil der Austellungsreihe PERSPEKTIVEN DER ZUKUNFT.
    Diese Reihe wird exklusiv von der Nassauischen Sparkasse Wiesbaden präsentiert.

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