• Rory Macbeth / The long march back to progress


    15. März 2009 bis 26. April 2009

    Eröffnung: Samstag, 14. März 2009 / 17 bis 20 Uhr

    kuratiert von Elke Gruhn und Katharina Klara Jung

  • Mit subtilem Humor beschäftigen sich die ortsspezifischen Installationen von Rory Macbeth (*1965) mit den
    großen Ideen der humanistischen Wissenschaften. Er hält ein Requiem für den Postmodernismus, nach dem
    nichts mehr bleibt, als zu einer verqueren Idee des Fortschritts zurückzukehren.

    Seine Arbeiten konzentrieren sich auf Lücken, Flüchtigkeitsfehler und dem feinen aber entscheidenden Unterschied zwischen Wahrheit und Vorstellung, die als ausdrücklich subjektive Übersetzung dem Betrachter zur Analyse und als Denkanstoß angeboten werden. So übersetzt Rory Macbeth etwa für 'THE WANDERER' BY FRANZ KAFKA (2008/09)
    eine Novelle von Kafka vom Deutschen ins Englische, ohne ein Wörterbuch und ohne der deutschen Sprache
    mächtig zu sein. Der englische Text, der sich intuitiv aus einer Mischung von Erinnerung an den Stil Kafkas und dem vermeintlichen Wiedererkennen einzelner Wort- und Satzfragmente zusammensetzt, entwickelt eine eigene Narrative,
    die sich beim flüchtigen Überfliegen unter der Marke Kafka beinahe als legitim akzeptieren lässt.

    Ein aus Holz geschnitzter Baum CDF (2006), dessen Form aus der vagen Erinnerung an einen Caspar David Friedrich entstand, ein marmorner Arm ARM (2008), der halb weisend halb anklagend wie Gottes Hand in der Sixtinischen Kapelle über den Köpfen der Besucher in den Raum ragt, ein Tambourcorps RE-ENACTMENT #3 (2009), der in voller Montur immer wieder die gleichen Anfangstakte verschiedener Märsche spielt, nur um abgebrochen zu werden und von Neuem
    zu beginnen – die Mischung aus Verweisen auf vermeintlich tief im kulturellen Bewusstsein, der westlichen Welt verankerten Werken mit der Möglichkeit der freien Assoziation, loten die Vorstellung von Fortschritt aus und lösen sie auf: auf Recherche wird bewusst verzichtet und die Wegweiser der Kulturgeschichte werden bei Rory Macbeth zu zerfasertem Rieselgut, das in den verschiedenen Räumen und Etagen des Kunstvereins auf immer wieder neue Sackgassen trifft.

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