• Rotation / Klasse Harald Schleicher


    05. Juli 2009 bis 26. Juli 2009

    Eröffnung Samstag 4. Juli 2009, 17 bis 20 Uhr

    kuratiert von Harald Schleicher und Steffen Conradi

  • Filmstudenten realisieren in aller Regel Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme – Arbeiten also mit linear erzählenden Formen, einem definierten Anfang, einem dramaturgischen Verlauf und einem überraschenden, wenngleich folgerichtigen Schluss.
    Für das Ausstellungsprojekt "rotation" sehen sich die Studierenden der Filmklasse der Akademie für Bildende Künste in Mainz vor eine neue Aufgabe gestellt: Es gilt Arbeiten zu konzipieren, die in der Form sich wiederholender Filmschleifen funktionieren. Arbeiten für einen Betrachter, der sich nicht in einer kinoähnlichen Rezeptionssituation befindet, sondern als Ausstellungsbesucher jederzeit einsteigen kann und über seine Verweildauer selbst bestimmt. Und Arbeiten, die für den Raum konzipiert und inszeniert sind.

    Realisiert wurden schließlich 13 Projekte, fast alle Mitglieder der Filmklasse sind mit Werken in der Ausstellung vertreten. In den präsentierten Arbeiten der Ausstellung "rotation" spiegeln sich die thematische Bandbreite und die Vielfalt der künstlerischen Ansätze von den Mitlgiedern der Filmklasse der Akademie für Bildende Künst, Mainz.

    (Prof. Harald Schleicher)


    Jonas Etten / Kapitalismus mit menschlichem Antlitz
    Der Kaugummi –Automat, ein mit kindlichen Sehnsüchten, Wunschvorstellungen und Glückserwartungen besetztes Objekt, enthält zumeist nicht nur Süßwaren, sondern auch kleine Spielzeuge, Schmuckstücke und Gimmicks – die so genannten „Charms“. Die Videoarbeit ermöglicht es dem Betrachter, ein immaterielles „Charm“ zum Preis von einem Groschen zu erwerben.

    Gerald Haffke / Make Love Like A Porn Star
    Die Arbeit thematisiert die Allgegenwart von Pornographie in unserer voll vernetzten Alltagswelt, den Voyeurismus, der permanent zu Marketingzwecken instrumentalisiert wird, sowie die Suche nach der eigenen Identität in einer übersexualisierten Gesellschaft.

    Nils Hillebrand / Toy House 3D
    Aus der zweidimensionalen Welt der Fernseh-Bildschirme sind die Actionhelden in die Kinderzimmer als greifbare Figuren einmarschiert. Heute vermissen sie ihre digitale Präsenz der Vergangenheit. Sie brauchen Auslauf und Bewegung. Das Toy House bietet ihnen Raum, sich mal wieder richtig auszutoben.

    Stefanie Jaehde / Schleimplanet
    Eine große Schleimkugel hängt im Raum. In ihr befindet sich ein kleiner Bildschirm, der verschiedne Menschen zeigt, die den Besucher anflehen, sie aus dieser Kugel raus zu holen, sie mit zu nehmen, sie zu retten. Doch der Besucher kann ihnen nicht helfen. Er kann bestenfalls die Kugel anfassen, um es kurz danach zu bereuen, da eine klebrige Substanz auf seinen Händen zurück bleiben wird.

    Vladimir Mladenov / Through the Looking-Glass and What Alice Found There
    Die Videoinstallation spielt mit den Gegensätzen von Oberfläche und Tiefe, sowie mit verschiedenen Bewußtseinsebenen des Ich. Sie zeigt Bilder der menschlichen Psyche, alltägliche Bilder, die durch ihre ungewöhnliche Perspektive den Betrachter zu Reflexion bzw. Selbstreflexion animieren sollen.

    Claudia Münch / Brot und Butter
    Die Videoinstallation thematisiert den Überfluss an Produkten, mit welchem wir täglich konfrontiert sind. Leuchtende Farben und Formen von Supermarktwaren ziehen am Betrachter vorbei. Die Waren sprechen uns an und drohen uns gleichzeitig mit ihrer Fülle zu erschlagen.

    Christoph Otto / Zeitraum
    Die Wahrnehmbarkeit eines Raums wird erst durch die Einbeziehung der Zeit-Dimension ermöglicht. Die Arbeit überträgt diesen Gedanken auf die Räume des Nassauischen Kunstvereins: Spuren und Verweise thematisieren vergegenwärtigte Vergangenheit.

    Björn Rodday / Vexation

    Die Installation beschäftigt sich mit einem Portrait zweier Menschen, Das ursprünglich für Klavier komponierte Werk von Erik Satie wird dabei als vokaler Dialog vorgetragen, in dessen Mitte sich der Betrachter wiederfindet.

    Alexander Scheid / Deconstruction II
    Grundlage der Animationen sind Bilder von Wassily Kandinsky. Ein Gemälde wird gescannt und am Rechner in seine Bestandteile zerlegt. Diese einzelnen Bildelemente werden in der Animation neu zusammengefügt und bewegt. So entstehen für den Betrachter neue, verschiedenartige Kompositionen.

    Harald Schleicher / The End
    Das Video setzt sich mit der Darstellung von Sterben und Tod im Spielfilm auseinander. Die Protagonisten sind frei gestellt, der Akt des Sterbens ist extrem verlangsamt. Die Arbeit hat die Form eines breiten Bilderfrieses, der aus fünfzehn in Reihe angeordneten Einstellungen besteht. Durch die unterschiedliche Länge der Einstellungen ergeben sich ständig neue Kombinationen.

    Michael Schwarz / Lebenslauf
    Der 73jährige Horst Preisler ist leidenschaftlicher Marathonsammler. In Hamburg, seiner Geburtsstadt, absolviert er am 26. April 2009 seinen 1621. Lauf.
    „Wer 100 Kilometer an einem Stück läuft, kann problemlos zwei Marathons am Wochenende laufen – das ist leichter, denn dazwischen ist noch eine Nacht.“ (Horst Preisler)

    Danilo Vogt / fapulous
    In den 70ern waren Pornofilme ausschließlich in entsprechenden Erwachsenenkinos zu sehen. Mit der Heimvideo-Revolution gelangten die gleichen Filme auch ins heimische Wohnzimmer – um dort weiter die Fantasien von Generationen anzuregen.

    Saad Yaseen / Blackbox

    Kopf und Körper bewegen sich in verschiedenen Umlaufbahnen. In einer Gesellschaft, in welcher der Verstand jedes Gefühl zum Feind erklärt, wird die Orientierung massiv gestört. Der Durst nach Sinnlichkeit oder Erotik kann zur Falle werden. Die Einbahnstraßen des Lebens tragen unterschiedliche Namen: Mann und Frau.

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