• ...so schön?


    20. März 2011 bis 01. Mai 2011

    Awst & Walther / Fides Becker / Il-Jin Atem Choi & Becker-Schmitz / Anita Di Bianco / Zilvinas Kempinas / Ján Mančuška  / Neil McNally / Christine Mederer / Emilie Pitoiset / Sophia Pompéry / Markus Walenzyk

    Eröffnung: 19. März 2011 / 17 bis 20 Uhr

    Kuratiert von Sara Stehr und Elke Gruhn

  • Was macht das Poetische in der zeitgenössischen Kunst aus? Immer wieder wird Kunstwerken von Kuratoren, Kritikern oder Künstlern selbst die Qualität des Poetischen zugesprochen. Die metaphorische Verwendung des Begriffs außerhalb der Dichtung folgt einer langen Tradition. Die Gruppenausstellung versucht das Poetische greifbar zu machen und präsentiert 13 Künstler, die in den Medien Videokunst, Installation, Performance, Malerei und Fotografie arbeiten. Der Titel zielt auf die Frage, ob der Begriff des Poetischen eine Lücke füllt, den der moderne Abschied von der ursprünglichen ästhetischen Zentralkategorie des Schönen im Sprechen über Kunst aufgerissen hat und inwieweit das Poetische über das „so Schöne“ hinausgeht.
    ZILVINAS KEMPINAS (LT) zelebriert in seiner Skulptur die Leichtigkeit des Seins. Tapebänder schweben im Raum, wobei die Einfachheit der Mittel dem verblüffenden Effekt kontrastreich gegenübersteht. Dynamik findet sich auch in den Fotografien von CHRISTINE MEDERER (D). Ihre bühnenhaften Arbeiten zitieren abstrakte Formen, denen ein Versuchsaufbau zugrunde liegt und den die Künstlerin im starken Schwarzweißkontrast inszeniert. Die Video- und Rauminstallationen der Künstlerin SOPHIA POMPÉRY (D) sind oft von einer ganz besonderen Stimmung getragen und zeigen auf den ersten Blick minimalistische Vorgänge und Prozesse, die komplexe Gefühle und Assoziationen beim Betrachter hervorrufen. Für den Wintergarten des NKV hat die Künstlerin eine ortsspezifische Arbeit entwickelt. FIDES BECKER (D) zeigt eine großflächige Wandmalerei, in der sie mit illusionistischer Tiefe und der tatsächlichen Zweidimensionalität des Mediums spielt und die vergangene Pracht eines verspiegelten Ballsaals aufleben lässt. MARKUS WALENZYK (D) lotet in seiner Videoarbeit den illusionistischen Raum aus und spielt mit den Erwartungen des Betrachters. Anknüpfend an die Tradition des trompe-l’oeil, überführt er die Methode der optischen Täuschung in das Medium Video.
    NEIL MCNALLYs (UK) Arbeiten sind zumeist mit ironischen Anspielungen versehen. Für „...so schön?“ präsentiert er eine Installation mit Video und Sound. Ein nostalgisches Moment manifestiert sich in der Videoarbeit der Künstlerin ANITA DI BIANCO (USA), die ebenfalls einen alten Ballsaal zum Akteur werden lässt. Die Künstlerin eignet sich vertraute Bilder und Narrative aus Film, Theater und Literatur an und reflektiert epigonenhaftes Handeln. Das Künstlerduo AWST & WALTHER (UK/D) realisiert eine ortspezifische Rauminstallation. Unter Verwendung von ungewöhnlichen Materialien wie pigmentierter Gelatine transformieren sie Themen wie Potentialität und Vergänglichkeit. Selbstreferentielle Bezüge werden mit gesellschaftlichen Fragestellungen verknüpft. Die Videoarbeit „A middle age woman“ von JÁN MANČUŠKA (SK) beginnt mit einzelnen Satzfragmenten. Sukzessive Einblendungen weiterer Silben und Wörter erzeugen teils unheimliche, teils kuriose Sinnverschiebungen. „Faire retour aux choses mêmes“, die Rückkehr zu denselben Dingen, ist der Titel der Videoarbeit von EMILIE PITOISET (F). Die Künstlerin arbeitet darin mit einem Auszug aus einem Godard-Film, den sie dekonstruiert. IL-JIN ATEM CHOI & BECKER-SCHMITZ (D) lassen einen Raum zur hermetisch abgeschlossenen Kunstzelle werden. In ihrer Arbeit „Brennstoffzelle“ überkleben die beiden Künstler mit gelben Haftnotizzetteln Flächen und Alltagsgegenstände und lassen so ein einmaliges Reliefgemälde entstehen.
    Die Annäherung aller Arbeiten an das poetische Moment erfolgt auf vielfältige Weise: über Atmosphäre, Narration, das Unergründliche oder Sinnliche. All diese Attribute vereinen sich jedoch in dem Anspruch, dem Konkreten entgegen zu treten. Denn „Kunst ist Poesie! Menschen brauchen Poesie“, wie Jean-Christophe Ammann sich emphatisch äußerte.

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