• Foto: Thomas Bo Nilsson

    Wiesbaden Biennale 2018


    23. August 2018 bis 02. September 2018

    Alle Informationen und weitere Ausstellungen finden Sie auf http://www.wiesbaden-biennale.eu/

  • Wiesbaden Biennale / BAD NEWS

    Im August 2018 bringt die Wiesbaden Biennale, ausgerichtet vom Hessischen Staatstheater, nach der Neukonzeption im letzten Jahr, wieder eine Mischung aus Theater, Performance und zeitgenössischer Kunst in die Hessische Landeshauptstadt. Vom 23. August bis zum 2. September 2018 wird die Biennale unter der Leitung von Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer nicht nur in den traditionellen Spielstätten beheimatet sein, sondern mit internationalen Positionen aus unterschiedlichen Sparten auch den Stadtraum bespielen. Im Kunstverein richten der Regisseur, Architekt und Installationskünstler Thomas Bo Nilsson und der Bühnenbildner Julian Eicke auf Einladung der Biennale einen direkten Kommunikationskanal zum installativ-performativen Parcours in der City Passage im Zentrum der Stadt ein.

    Ihre Arbeit Betreutes Leben - Ezzelino Web Cams konfrontiert die Besucher_innen mit einer vielfach verstrickten Fantasiewelt. Ein anonymer schwedischer Auftraggeber hat eine immersive Visualisierung seiner intimsten Fantasien bestellt, um sie via Website, Live-Stream und Chat jederzeit erleben zu können. Ein Filmset in der Spielhalle der City Passage dient als Kulisse, in der zwei comichafte Charaktere elf Tage lang 24 Stunden am Tag, die Fantasien des Auftraggebers umsetzen. Im Vorraum des Filmsets lassen sich via Livestream ausgewählte Szenarien verfolgen, doch wer wirklich eintauchen will, klettert in das im Nassauischen Kunstverein installierte Baumhaus, loggt sich ein in den Chat und nimmt Kontakt auf zur Filmcrew. Vielleicht öffnet sich dann sogar die Tür für einen ganz privaten Studiobesuch in den Hinterzimmern der Spielhalle?

    Als Inspiration für die beiden Künstler diente der 1992 unter dem Pseudonym Nikanor Teratologen veröffentlichte Roman Assisted Living. Dieser löste einen Skandal aus und erreichte schnell Kultstatus. In nord-schwedischem Dialekt verfasst und gespickt mit expliziter Gewalt, Pädophilie, Inzest und Rassismus und zugleich einer fast comichaften literarischen Verdichtung, faszinierte der Roman Kritik und Publikum gleichermaßen. Wilde Spekulationen setzten ein über die wahre Autorenschaft, bis schließlich der junge, nahezu unbekannte Niclas Lundkvist hinter dem Pseudonym hervortrat.

    Doch was lange Zeit als radikale, stilistisch zielsichere moralische Provokation gelesen wurde, erschien 2016 in neuem Licht. Journalist_innen entdeckten Verbindungen zwischen dem explizit neo-nazistischen und sehr aktiven Netzprofil Ezzelino und dem Autor. Geniales Erstlingswerk eines ästhetischen Provokateurs oder vielmehr sadistische Fantasie eines aktiven Neonazis?



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