Follow Fluxus 2010 /
Aslı Sungu

  • Out of my Hands

    Mit der Einzelausstellung OUT OF MY HANDS präsentierte der Nassauische Kunstverein jüngste Arbeiten von Aslı Sungu (*1975 Istanbul, TR), die 2010 das vom Nassauischen Kunstverein und der Stadt Wiesbaden jährlich ausgeschriebene Stipendium „Follow Fluxus – Fluxus und die Folgen“ erhielt. Das Ziel des noch jungen Stipendiums ist es, internationale junge Künstlerinnen und Künstler zu fördern, die in ihrem Werk die Ideen der Kunstbewegung Fluxus aufgreifen und diese weiterentwickeln.

    Aslı Sungu arbeitet im Bereich Video und Malerei. Während ihres Aufenthaltes in Wiesbaden im Rahmen des Stipendiums „Follow Fluxus – Fluxus und die Folgen“ produzierte die Künstlerin eine Fotocollage und zwei neue Video-Filme, die in der Ausstellung OUT OF MY HANDS erstmals präsentiert werden. Die Hilflosigkeit des Menschen angesichts von Situationen, die außer Kontrolle geraten, wird in allen drei Arbeiten reflektiert. Während in den beiden Videoarbeiten der Gegensatz von Chaos und Kontrolle, die  im Alltag abrupt aufeinander treffen, gezeigt wird – ein Thema, das Sungu bereits in vorangegangenen Arbeiten untersuchte – behandelt die Fotocollage ein stark autobiografisches Moment.

    In dem Video UNVERMEIDBAR (2010) bahnen sich Missgeschicke im Kontext alltäglicher Geschehnisse an: Ein Glas mit Wasser droht über die Tischkante zu kippen, oder Milch in einem Topf ist kurz vor dem Überkochen. Im letzten Moment greift eine Person, die Künstlerin selbst, aus dem Off ein und versucht, die Eskalation im Alltäglichen zu verhindern – doch die Berührung gelingt nicht, das Bild ist eine Reflexion.

    Die zweite Videoarbeit UNSICHTBAR (2010) wurde im Opelbad Wiesbaden und im Cercle d’Orient / Büyük Kulüp Freibad in Istanbul gedreht: In einem überfüllten Schwimmbecken tummeln sich Besucher. Der Eindruck des chaotischen Treibens – ein vertrautes Bild des Sommers – wird jäh unterbrochen durch einen einzelnen athletischen Schwimmer, der zielgerichtet und in gerader Linie eine Bahn durch das Becken zieht. Er agiert dabei unbeirrt und wird scheinbar absorbiert vom restlichen Treiben.

    UNBERÜHRBAR (2010) vereint als Diaprojektion eine Collage aus 9 Elementen. Aslı Sungu fotografierte ihre Mutter in ihrer Wohnung in Istanbul aus verschiedenen Abständen. In den präsentierten Bildern nahm sie jedoch eine deutlich sichtbare Perspektivverschiebung vor – je weiter die Tochter sich von ihrer Mutter entfernt, desto größer und präsenter erscheint die Mutter. Umgekehrt, je näher sich die beiden sind, desto mehr verschwindet die Mutter.

    Die lakonische Bildsprache von Aslı Sungu unterstreicht ihren künstlerischen Blick. Die analytischen Arbeiten gleichen einer Versuchsanordnung. Dafür verwendet sie ausschließlich minimalistische Mittel, um die Wahrnehmung der Komplexität von Alltagserscheinungen zu steigern. Der Betrachter wird dabei vom scheinbar objektiven Beobachter zum selbstreflexiven Teilnehmer.

    Zum Stipendium und zur Ausstellung erscheinen eine Publikation.

  • Aslı Sungu

    *1975 Istanbul, Türkei
    lebt und arbeitet in Berlin

    Studium

    2005 Meisterschülerabsschluss, Udk ,Berlin bei Prof. Möbus.
    2000 Studium an der Universität der Künste Berlin bei Prof.Christiane Möbus.
    1999 Mimar Sinan Universität der Künste, Istanbul. Wechsel.

    Einzelausstellungen

    2009 "Farbe Bekennen" Galerie Lena Brüning
    2008 "Noise and Silence" Khyber Institut, Halifax, Kanada.
    2006 Einzelausstellung in Goethe Institut, Ankara, Türkei.

    Ausstellungen (Auswahl)

    2010
    "Ich weiß was du nicht siehst" Kunstraum Kreuzberg, Berlin
    "Artists of the Gallery Part III" Galerie Lena Brüning, Berlin.
    "She Devil 4" Studio Stefania Miscetti, Rome.

    2009
    Videoscreening “Artistbooks International” Centre Pompidou, Paris.
    Videoscreening “Videospritz” Trieste Contemporanea, Italy.
    Videoscreening in Temporäre Kunsthalle, Berlin.
    "Karl Valentin Komik und Kunst seit Fluxus" Münchener Stadtmuseum.
    "Nautilus" Städische Galerie, Nordhorn.
    "5 x Video" (Screening) Galerie Lena Brüning.
    "Move on Asia 2009" Loop Alternative Space, Seoul, Korea.
    "End Game" Loop Alternative Space, Seoul, Korea.

    2008
    "Authority" Kunstverein Arnsberg, Arnsberg.
    "Moment of Agency", (Screening) Kunstmuseum Bern, Kunsthalle Basel.
    "Here..There..Abroad..” Rum46, Århus,Denmark.
    "Becoming Istanbul", DAM, Frankfurt.
    "Noise and Silence",Khyber Institute, Halifax, Canada.(Solo show)
    "Freisteller", Villa Romana Stipendiaten, Deutsche Guggenheim.
    "Erwartung" Wartesaal, Zürich.
    "Stockfinster is es draußen", Gruppenausstellung in Galerie Lena Brüning, Berlin.

    2007
    Junger Westen, Kunsthalle Recklinghausen.
    Frac Franche Comté “les Inattendus”, Musée départemental d’arts et traditions popularizes, Champlitte, Frankreich.
    Nightcomers, innerhalb der  10.Istanbul Biennial.
    Air pocket, Galerist, Istanbul
    "Förderkohle" Neuer Berliner Kunstverein, Berlin. (Berliner Senat Arbeitsstipendium)

    2006
    "Monat der Fotografie", Haus am Kleistpark, Berlin.
    "Arabesque Süperiör" Lothringerstr 13, München.
    "Jump Cut-Nights" (screening) Musuem Ludwig Köln
    "Exploding Television" - "Sex and Sadness" Witte de Witt, Rotterdam
    “Focus Istanbul” Martin-Gropius-Bau Berlin,

    2005
    “Stadtkunst Bonn” Bonn,  2005    “Videonale 10” Kunstmuseum Bonn

    2004
    “Wunder der Prärie” International Festival, Mannheim.
    “berlin.istanbul.vice versa.” Künstlerhaus Bethanien Berlin.
    “Video Programme” Raumpool Showroom, Frankfurt am Main.
    “Brothers and Sisters and Birds” Badischer Kunstverein, Karlsruhe

    Stipendien / Preise

    2010
    Delfina Foundation, London.

    2008
    Villa Romana, Florence.

    2007
    Junger Westen, Recklinghausen. (Shortlist)
    Blau Orange Kunstpreis, ( Shortlist mit Claus Richter)
    Berliner Senat Arbeitsstipendium.

    2005
    Goethe Institute Residency Stipendium in Beirut, Libanon.

    Sammlungen

    Frac Franche-comté