
...an der Nadel
Wiebke Bartsch / Ursula Bertam / Jochen Flinzer / Viktoria Martini /
Christiana Protto /
Christoph Rodde / Peter Rösel / Patricia Waller
05.09.2004 - 17.10.2004
Eröffnung: Samstag 4. September 2004, 17 bis 20 Uhr
Kuratorinnen: Petra Bermes/Ulrike Hampl
Garne, Fäden, Stoffe, Nadeln – der "stofflichen"
Umsetzung sind keine Grenzen gesetzt. Die
Gruppenausstellung "... an der Nadel" zeigt
überraschende Ausblicke auf diese jedermann
vertrauten Materialien: Verarbeitete Stoffe und
Garne stehen üblicherweise für Kleidung, Schmuck,
Gebrauchsgegenstände, aber auch Luxus. Mit ihren
Werken sprengen die Künstler diese eng gesetzten
Grenzen. Sie vermitteln Botschaften, ironisieren
Alltägliches, erweitern den Blickwinkel. Hier hängt
der Faden von Wiebke Bartsch, Ursula Bertram, Jochen
Flinzer, Viktoria Martini, Christiana Protto ,
Christoph Rodde, Peter Rösel und Patricia Waller.
Die Künstlerinnen und Künstler zeigen eine
beeindruckende Bandbreite an textilen Umnutzungen.
So hat sich Patricia Waller daran gemacht, die
sanften Kulturtechniken Häkeln und Stricken mit
pathologischen Bildern zu verbinden. Eine ganze
Garnitur von Gehhilfen wurde mit zartrosa Wolle
eingehäkelt und an der Wand hängen Stickrahmen, die
ungute Laborbefunde von HIV bis Brustkrebs mit
bunter Wolle bekräftigen.
Christoph Roddes faszinierendste Arbeiten sind
winzige Objekte, die er episodengleich an die Wand
geheftet hat. Ganz zart neigt sich ein "Querkäfig"
aus dem Lot und ein Miniboxenring aus Fäden hängt
gleich daneben. Im Nachbarraum hat Wiebke Bartsch
skurrile Stoffpuppen zu einer Wach-Traum-Szene
arrangiert. Die Kreaturen sind wir Boten des
Unterbewusstseins und sprechen mit verrenkten
Gliedern, panischen Blumenmustern oder tierischen
Webpelzen eine schrullige Sprache. In den Objekten
von Ursula Bertram geht es vor allem um die Zeit,
die entweder lautlos verrinnt oder aber kalendarisch
eine ganze Wand einnimmt. Bertrams Zeitverständnis
ist dabei analog, gleich der körperlichen Beziehung,
die der Mensch zu den Dingen in der Welt einnimmt.
In ihren Fotografien geht es um diese Bande zwischen
Familienmitgliedern; verstohlen, aber unleugbar
wächst eine weibliche Erblinie als gestrickte
Nabelschnur unterm Rock hervor. Jochen Flinzer
referiert für uns die "Regeln der Welt in Kreuzstich
auf blauem Jeans, um auf der anderen Stoffseite
gleich wieder mit unleserlichem Kauderwelsch zu
verwirren. Und dabei sind die wilden Fäden viel
schöner und das gelbe Garn leuchtet kraftvoll auf
dem indigoblauem Textil.
zurück zur Programmübersicht 2004/2005 |
|