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Laura Kuch / Mach dass alles gut wird
(Ich schwöre dass heute alles was Du Dir
gewünscht hast in Erfüllung geht) aus einem alten
Song der Hippie-Band
Jefferson Airplane ein Versprechen gibt, das für
ewig unerfüllt bleibt, zitiert die Promises Serie
(2006/07) bekannte Lieder, die alle einen Teil
dieses höchsten Glücks versprechen. “I will light
your way for all time, promise you” (Ich werde Dir
für alle Zeit den Weg leuchten, ich verspreche es
Dir; Monica), „I won‘t let no harm come your way”
(Ich werde Dir nie etwas zustoßen lassen; Tata
Young), „I’ll never break your heart“ (Ich werde Dir
nie das Herz brechen; Backstreet Boys) – zu oft
gehörte Titel und Versprechen, die Laura Kuch als
Vertrag aufsetzt, sie selbst datiert und
unterzeichnet: „Natürlich könnte ich die
Versprechungen, die ich hier gebe, wohl nie ganz
erfüllen – so wie ein (Liebes-)Lied, das sich
manchmal anfühlt wie ein Versprechen und doch
niemals wirklich wahr wird. Und doch muss ich für
diese Versprechungen gerade stehen auch wenn ich
nicht weiß, wie ernst sie von jemandem genommen
würden, der einen dieser Verträge kauft.“
Die Intimität der Promises Series wird noch
gesteigert in der Videoarbeit „Drei Worte“ (2004 /
2007). Aus einem Bildschirm blickt Laura Kuch den
Betrachter an, öffnet den Mund und sagt leise „ich
liebe Dich“. Sie dreht den Kopf weg, holt Luft,
blickt wieder auf den Betrachter und sagt wieder:
„Ich liebe Dich“, um dann wieder von der Rolle in
die authentische, „echte“ Person zurück zu
verwandeln. Fast eine Stunde lang versucht sie, von
diesen Worten zu überzeugen, und auch wenn die
Manipulation offen gelegt und die Schauspielerei
offensichtlich ist, berührt die Arbeit doch auf eine
sehr persönliche Art.
Persönlich in einem ganz anderen Sinn ist die
neueste Arbeit von Laura Kuch: Ein scheinbar nur mit
Leuchtstoffröhren bestückter Leuchtkasten hängt in
einer kleinen Kammer. Tritt man näher, verwandelt
sich die Glasfront für einen kurzen Augenblick in
einen Spiegel, aber noch bevor man wirklich weiß,
was passiert ist, ist das Spiegelbild verschwunden.
Die Arbeit fängt den Bruchteil einer Sekunde ein, in
der man sich sieht, ohne sich selbst zu erkennen;
der forschende Blick, mit dem man an die Arbeiten in
einer Ausstellung herantritt, richtet sich plötzlich
auf einen selbst wie auf einen Fremden. Aber noch
bevor man das Geschehen als mehr als einen
flüchtigen Gedanken formulieren kann, geht das Licht
wieder an und löscht die Reflexion aus.
Mach dass alles gut wird – der Titel der Ausstellung
ist eine sehnsüchtige, fast flehentliche
Aufforderung, auf deren Mischung aus Verzweiflung
und Resignation Versprechen antworten, die leer
sind, deren Leere vielleicht aber willentlich
verdrängt wird - um sich an dem einen Moment
festzuklammern, der sich wie ein hauchdünnes
Pflaster über offene Wunden legt und für diesen, nur
für diesen einen Moment die Illusion erschafft, dass
wirklich alles gut wird...
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