
Jimmy Roberts wurde 1975 in Guadeloupe geboren,
ließ sich am Goldsmith’´s College in London und
an der Rijksakademie in Amsterdam ausbilden,
lebt und arbeitet in Brüssel und beteiligt sich
international an wichtigen Ausstellungen,
Projekten und Festivals.
Seine Collagen, Fotografien, Objekte,
Performances und Filme beschäftigen sich mit
Prozesshaftigkeit und Transformation. Die
Beziehungen zwischen Bild und Objekt
analysierend, kreist er formal um die Frage, wo
eine zweidimensionale Oberfläche aufhört, Bild
zu sein und beginnt, sich sowohl in der
Vorstellung als auch in der Wirklichkeit ins
Objekthaft-Dreidimensionale auszudehnen.
„Die spielerischen, dabei tiefsinnigen
Genreüber- und durchschreitungen Jimmy Roberts,
die Überlagerung von Zwei- und
Dreidimensionalität, die sich durch die
unterschiedlichsten Medien zieht, und die
Auseinandersetzung mit performativen Elementen,
die selbst den Collagen mit ihrer
unterschiedlichen Haptik innewohnen, überzeugten
die Jury mehrheitlich, Jimmy Robert zum
Stipendiaten von „Follow Fluxus – Fluxus und die
Folgen“ des Nassauischen Kunstverein und der
Landeshauptstadt Wiesbaden für 2009 zu
ernennen“, so Elke Gruhn, die maßgeblich an der
Stipendienvergabe mitwirkt.
Jedes seiner Bilder entfaltet ein Objekt,
entwickelt es zu einer Skulptur im Raum.
Konsequent lotet Roberts dabei das Verhältnis
zum menschlichen Körper aus. Berühren und
berührt werden, das Einbeziehen von sich und dem
Betrachter übersetzt er wörtlich in seiner an
Yoko Onos CUT PIECE* angelehnten Performance. In
Jimmy Roberts Interpretation der Aktion ist sein
Oberkörper nicht mit Kleidung, sondern mit
Klebeband bedeckt. Mit jedem vom Publikum
abgezogenen Klebebandstreifen wird er sukzessive
entblößt und verliert einen Teil, der ihm – im
wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne –
anhaftet.
Mit jedem abgezogenen Klebebandstreifen
rezipiert er zugleich Sequenzen aus den
Pressekritiken, die Yoko Ono nach ihrer
Performance 1966 in London erhielt. Das Prinzip
Collage und Decollage wird mit Witz, Präzision,
Eleganz und den bildsprachlichen Möglichkeiten
der Gegenwart bearbeitet, worin die Jury einen
Anknüpfungspunkt an George Maciunas und eine
Weiterentwicklung seiner Ideen sieht.
Das Arbeitsstipendium „Follow Fluxus“ wird für
drei Monate von Juni bis August vergeben wird.
Während dieser Zeit werden Jimmy Robert die
Wohn- und Studioräume im obersten Stockwerk des
NKV zur Verfügung gestellt. Im Anschluss an das
Arbeitsstipendium findet von September 2008 bis
Mai 2009 im NKV eine Ausstellung statt. Jimmy
Robert wird sich während des Stipendiums
überwiegend in Wiesbaden aufhalten.
*Yoko Onos CUT PIECE (1964 / 1966) Performance:
Während der Performance saß Yoko Ono regungslos
auf der Bühne, nachdem sie das Publikum gebeten
hatte, auf die Bühne zu kommen und ihr die
Kleider mit spitzen Scheren abzuschneiden.
Sobald sie unbekleidet war, bedeckte sie ihre
Brüste. Eine Gratwanderung zwischen dem
Verlangen, gesehen zu werden und dem Bedürfnis
nach persönlicher Unantastbarkeit .
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