Können wir außerhalb von uns stattfindende Prozesse wie das Wetter oder das (soziale) Klima durch Beobachten, Aufzeichnen und Messen beeinflussen?

An der Schnittstelle von Natur- und Sozialwissenschaften, Spekulation und Recherche, Stille und Aktion, entwickelt Jackie Karuti vielschichtige Denkräume. Anstatt Antworten zu geben, nimmt sie die Position des (Hinter-)Fragens ein, um einen Ort zu schaffen, an dem etwas Neues entstehen kann.

Der sich seit 2019 weiterentwickelnde Werkkomplex How Clouds are Formed bietet eine alternative Lesart von geografischem und sozialem Klima, vermittelt durch das Wetter und Wetterinstrumente, an. Recherchebasiert und doch spekulativ lotet Jackie Karuti die Grenzen von Wissen und Wissenschaft aus, um letztlich darüber nachzudenken, wie Bewegungen, Regungen, Dinge oder (natürliche) Phänomene entstehen. Kann man in sie eingreifen und dabei vielleicht eine Antwort darauf finden, wie sich Wolken formen, warum sich Dinge verdichten und wieder lösen?

Shapeshifting & the Impossibility of Weathered Wood ist eine erweiterte Videoausstellung, in der die Arbeitsweisen von How Clouds are Formed angewendet werden. Der Titel bezieht sich auf eine frühere Performance, in der eine hölzerne Struktur an verschiedenen Orten platziert wurde und dabei seine Form durch menschliche, tierische und vor allem wetterbedingte Einflüsse veränderte. Die Ausstellung untersucht die Art und Weise, wie wir wahrnehmen und dadurch glauben zu wissen. Sie regt dazu an, die uns umgebenden Dinge und Bewegungen infrage zu stellen und so vielleicht andersartige Wege zu entdecken, über diese nachzudenken.

Die Ausstellung, die als ein komplexes, zusammengesetztes Werk zu verstehen ist, wird durch Videoarbeiten, Soundinstallationen, Zeichnungen, Scans, Dias, Radierungen, Skulpturen, eine Auswahl an Objekten, Wetterinstrumente sowie einen Studiobesuch und Ortsbegehungen in Ngong und Kajiado, Kenia, realisiert.

Über die Künstlerin /
Jackie Karuti (*1987) lebt und arbeitet in Nairobi, Kenia. In ihrem künstlerischen Schaffen nutzt sie Zeichnungen, Videos und Performances, um Gedanken zu erzeugen. Die Grundlage dafür sind Vorstellungen von Wissensproduktion und dem Zugang dazu sowie die tiefgreifenden Möglichkeiten, die sich durch eine radikale Fantasie eröffnen. Karuti ist Absolventin der Àsìkò Art School, einer nomadischen panafrikanischen Kunstschule, die von der nigerianischen Kuratorin Bisi Silva gegründet wurde. 2020 gewann sie den Henrike Grohs Art Preis, anlässlich dessen Ende 2021 eine Publikation veröffentlich wird. Sie ist vierzehnte Stipendiatin des von der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden vergebenen Stipendiums Follow Fluxus – Fluxus und die Folgen.

Jackie Karuti: Weather Instruments (Site Visit), 2021, © und Courtesy: Jackie Karuti, Foto: James Muriuki
Jackie Karuti: How Clouds are Formed: Time (Videostill), 2021, © und Courtesy: Jackie Karuti
Jackie Karuti: Autopsy, (Videostill), 2018, © und Courtesy: Jackie Karuti
Jackie Karuti: How Clouds are Formed: River (Videostill), 2021, © und Courtesy: Jackie Karuti, Foto: Densu Moseti
Jackie Karuti: Fossils, Etching Table, 2018, © und Courtesy: Jackie Karuti, Foto: Jonathan Sölanke Fraser

Follow Fluxus 2021 Jackie Karuti / Shapeshifting & the Impossibility of Weathered Wood

23. September 2021 - 19. Dezember 2021

 

Die Ausstellung wird gefördert durch das Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden.