Rune Mields übersetzt ordnende Strukturen und Schemata in Kunst, wobei sich Logik und Ratio mit Poesie und Magie verbinden. Die Einbindung von Symbolen unterschiedlicher Ordnungssysteme, auf denen unsere Gesellschaft basiert, wie Zahlen, Worte, Noten, aber auch abstrakte Zeichen und Ornamente, kennzeichnen ihre meist in Schwarz, Weiß und Grau gehaltenen und bei aller Konzeptualität sehr stark visuell geprägten Gemälde und Zeichnungen. Der Erforschung und Visualisierung von Zahlensystemen stellt sie die in vielen Kulturen existierende magische oder rituelle Bedeutung der Zahlen zur Seite, wissenschaftliche Konzepte und Fragestellungen werden von mythischen oder metaphysischen Ideen überlagert. So stellen sich als zugrundeliegende Elemente ihrer Arbeiten die Visualisierbarkeit der Unendlichkeit und die Limitierung unseres Denkund Vorstellungsvermögens heraus.

Die Einzelausstellung ZEITEN UND ZEICHEN vereint Arbeiten unterschiedlicher Werkgruppen aus dem insgesamt sechs Jahrzehnte umfassenden künstlerischen Schaffen von Rune Mields. Zudem werden neue Arbeiten aus zwei erstmals ausgestellten Serien zu sehen sein. Der Fokus der gezeigten Arbeiten liegt einerseits auf der Darstellbarkeit von Zeit in Form von Zahlen, andererseits auf der Darstellung von Zahlen und anderen Zeichen in unterschiedlichen Zeiten und Systemen.

Den Abschluss des Rundgangs bilden zwei Werke, die auch als selbstreflexiver Metakommentar zu den anderen Arbeiten der Ausstellung und Rune Mields Arbeitsweise des Sichtbar-werden-Lassens und Zitierens gelesen werden können: Die Künstlerin begegnet uns in einem Selbstportrait mit Telefon (2015), das ein Selbstbildnis Maria Lassnigs zitiert. Sie tritt hinter diesem Attribut in den Hintergrund, verdeutlicht aber den subjektiven, künstlichen Eingriff, der hinter jeder Darstellung von Abstraktem steht. Rune Mields macht Unsichtbares sichtbar, die Betrachter*innen müssen Verschlüsseltes entschlüsseln. Beides geschieht mittelbar und innerhalb der Grenzen, die uns Denkvermögen und Verfügbarkeit von Zeichen setzen. Während die Werke die Betrachter*innen also dazu zwingen, genau hinzusehen und zu versuchen, die Überschneidungen verschiedener inhaltlicher sowie bildlicher Ebenen zu enträtseln, gilt für Mields Arbeiten doch immer die im gleichnamigen Gemälde (2014) zitierte Aussage des Physikers und Aphoristikers Georg Friedrich Lichtenberg: „Die Hauptsache ist immer unsichtbar“.

Mit Förderung durch die Kunststiftung NRW erscheint im Nachgang der Ausstellung eine Publikation.

Über die Künstlerin /
Rune Mields (*1935, Münster) begann ihre künstlerische Laufbahn Ende der 1960er und gilt heute als eine der bedeutendsten bildenden Künstlerinnen Deutschlands. 1968 war sie Mitbegründerin des Kunstvereins Zentrum für aktuelle Kunst – Gegenverkehr in Aachen. 1977 nahm sie an der documenta 6 in Kassel teil und erhielt 1984 eine Gastprofessur an der Hochschule der Künste in Berlin. 1989 war sie Ehrengast der Villa Massimo in Rom. Ihre Arbeiten sind u. a. in den Sammlungen des Ludwig Museums, des Kunstmuseums Bonn, des Landesmuseums Mainz und der Nationalgalerie Berlin vertreten. Sie erhielt u. a. den Harry Graf Kessler-Preis, den Kulturpreis Köln, den Gabriele Münter Preis und zuletzt den Zonta Cologne Art Award 2016. Sie lebt und arbeitet in Köln.

Rune Mields, Koordinaten des Universums / Das Netz der Kulturwelt, aus der Serie Steinzeitgeometrie, 1981, Courtesy und ©: Die Künstlerin und VG-Bild Kunst, Bonn, 2019, Foto: F. Rosenstiel, Köln.

Rune Mields / ZEITEN UND ZEICHEN

12. April 2019 - 09. Juni 2019